Warum „Musik verbindet Menschen“?
Weil musikalische Begegnung
auch ohne viel eigenes musikalisches Können gelingt.
Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben. Als Musikpädagogin habe ich viele Jahre Menschen unterrichtet, später kamen die Arbeit mit der Zauberharfe, die Musikgeragogik und heute die Rhythmuspädagogik hinzu. Dabei ist mir immer wieder etwas begegnet, das mich nachdenklich gemacht hat.
Auf der einen Seite gibt es hervorragend ausgebildete Musiktherapeuten, Musikpädagogen und Musiker, die mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung wertvolle Arbeit leisten. Auf der anderen Seite stehen in Pflege- und Betreuungseinrichtungen Menschen, die jeden Tag ganz nah bei Bewohnern und Patienten sind. Menschen, die Beziehungen aufgebaut haben, Lebensgeschichten kennen, Stimmungen wahrnehmen – und die vielleicht trotzdem von sich sagen: „Musik? Das ist nichts für mich. Ich bin doch völlig unmusikalisch.“
Genau dazwischen habe ich immer wieder eine Lücke wahrgenommen. - Musik darf auch einfach beginnen
Während meiner Weiterbildung zur Musikgeragogin an der Akademie für Musikpädagogische Ausbildung Baden-Württemberg und auch jetzt in meiner Weiterbildung im Bereich Rhythmuspädagogik beschäftige ich mich intensiv mit den Möglichkeiten, die Musik - ganz niederschwellig und einfach - in der Begleitung von Menschen bietet.
Mindestens ebenso wichtig waren und sind für mich jedoch die vielen Gespräche mit meinen Teilnehmern und Schülern.
In der Ausbildung zur Zauberharfen-Lehrkraft begegne ich Menschen mit ganz unterschiedlichen beruflichen und musikalischen Voraussetzungen – darunter viele, die in Pflege, Betreuung oder sozialen Einrichtungen arbeiten. Immer wieder erzählen sie mir aus ihrem Berufsalltag.
Dabei höre ich einen Wunsch besonders häufig: Es fehlen einfache musikalische Möglichkeiten, die keine besondere musikalische Ausbildung voraussetzen und trotzdem mehr sind als ein fertiges Beschäftigungsprogramm. Möglichkeiten, die sich dem Menschen und der jeweiligen Situation anpassen lassen. Die auch dann funktionieren können, wenn jemand nicht singen möchte, keine Noten lesen kann oder noch nie ein Instrument gespielt hat.
Und die vor allem eines ermöglichen: miteinander etwas zu erleben, in Kontakt, in gemeinsames Handeln, in Bewegung, ein Gespräch zu kommen.
Die Fortbildungen, die ich in diesem Bereich bereits geben durfte, haben mich darin bestärkt, dass man dafür kein Musiker sein muss, schon gar nicht studiert haben muss. Ich erlebe immer wieder, wie schnell aus einem vorsichtigen „Ich bin aber überhaupt nicht musikalisch“ Neugier entsteht. Plötzlich wird ausprobiert, bewegt, ein Rhythmus gefunden oder gemeinsam ein Klang gestaltet.
Dafür braucht es nicht zuerst musikalisches Können, sondern einen Zugang. Genau diesen möchte ich in meinen Fortbildungen vermitteln.
Dabei geht es nicht darum, aus Pflege- oder Betreuungskräften Musiktherapeuten oder Musiker zu machen. Deren Arbeit beruht auf einer eigenen fachlichen Qualifikation und hat ihren ganz eigenen Stellenwert. Es geht vielmehr darum, das zu stärken, was Mitarbeiter in Pflege und Betreuung bereits mitbringen: ihre Beziehung zu den Menschen, die sie begleiten. Musik kann eine weitere Möglichkeit werden, diese Beziehung zu gestalten.
Vom Beschäftigen zum gemeinsamen Tun
Deshalb verstehe ich Musik nicht in erster Linie als etwas, das für einen anderen Menschen gemacht wird. Viel wertvoller ist für mich das Miteinander.
Ein Bewohner muss nicht nur zuhören, während jemand für ihn singt, oder "nur" eine Playlist spielt. Vielleicht kann er einen Rhythmus aufnehmen, eine Bewegung mitmachen, einen Klang dazuspielen, eine Saite anzupfen, eine Erinnerung erzählen. Oder einfach entscheiden, was ihm gerade gefällt und was nicht. Manchmal sind das nur wenige Minuten, die keine besondere Vorbereitung brauchen. Es ‚passiert‘ einfach aus der Situation heraus. Entscheidend ist, diesen Moment wahrzunehmen und aufzugreifen. Das ist für mich Selbstwirksamkeit.
Genau daraus ist „Musik verbindet Menschen“ entstanden
Meine Fortbildungen verbinden Musik, Rhythmus, Bewegung, biografische Impulse und – je nach Format – die Zauberharfe. Sie sind bewusst niederschwellig aufgebaut und richten sich nicht nur an Menschen, die bereits gern musizieren, sondern ganz im Gegenteil: Sie sind ausdrücklich auch für diejenigen gedacht, die bisher geglaubt haben, Musik sei nicht ihr Gebiet.
Für die Pflegekraft, die gern mit Menschen zusammen ist und nach neuen Ideen sucht.
Für den Alltagsbegleiter, der sein Repertoire erweitern möchte.
Für die Betreuungskraft, die vielleicht nicht singen möchte, aber entdeckt, dass Rhythmus oder Bewegung ihr liegen.
Für das Team der Tagespflege
Für Hospizbegleiter
Und für Teams, die Musik nicht als zusätzliche Aufgabe erleben möchten, sondern als eine weitere Möglichkeit, Menschen zu begegnen, denn nicht ein Instrument steht im Mittelpunkt – sondern der Mensch.
Und so würde ich mich sehr freuen, diese Form von Musik, Begegnung und gemeinsamem Erleben auch in Ihre Einrichtung bringen zu dürfen.